Lettland wird Pilotkunde für das Minenwerfersystem Skorpion² des deutschen Panzerabwehrhandwaffenherstellers Dynamit Nobel Defence (DND). Ein entsprechender Liefervertrag wurde heute zwischen dem Verteidigungsministerium und DND unterzeichnet, wie aus einem Beitrag auf der Webseite des lettischen Verteidigungsministeriums hervorgeht.
Dem Beitrag zufolge beläuft sich der Gesamtwert des Vertrags auf rund 50 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) und umfasst den Kauf von Minenwerfersystemen „Skoprion 2“, deren Munition – Panzerabwehrminen „AT2+“ – sowie weiterem mit den Systemen verbundenen Equipment. Der Vertrag umfasst auch die Schulung des Personals für die Arbeit mit den Systemen und andere damit verbundene materielle und technische Mittel.
Zudem soll auch eine Option für die Lieferung weiterer Minenwerfer in dem Vertrag enthalten sein. Die geschlossene Vereinbarung sieht weiterhin die Einbeziehung der lokalen Industrie zur Förderung der Versorgungssicherheit sowie die Möglichkeit vor, dass sich auch andere Länder dem Projekt anschließen.
„Der Kauf des Minenwerfersystems ist ein strategischer Schritt zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Er ist ein wesentlicher Bestandteil eines umfassenderen Plans zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigung der östlichen Grenze Lettlands. Diese Investitionen stellen sicher, dass Lettland bereit ist, sein Territorium und seine Bevölkerung gegen jede Art von Bedrohung zu verteidigen”, wird der lettische Verteidigungsminister Andris Sprūds in der Mitteilung zitiert.
Minenwerfersystem Skorpion²
Das Minenwerfersystem Skorpion² wurde von DND erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2024 in Paris gezeigt. Bei dem Skorpion² handelt es sich um ein modulares, fahrzeugunabhängiges System, welches eine schnelle, einfache und sichere Integration auf unterschiedliche Fahrzeuge – Rad, Kette oder unbemannte Systeme – ermöglichen soll. Neben der Integration auf einer selbstangetriebenen Plattform kann das Panzerabwehrwurfminensystem Skorpion² auch auf einer Anhängerlösung realisiert werden.
Im Rahmen der lettischen Berichterstattung wurde das Minenwerfersystem auf einem Unimog-LKW von Mercedes Benz gezeigt.
Das Verlegesystem basiert auf Wurfkanistern, die direkt auf der Mobilitätsplattform montiert oder auf einer modularen Containerplattform über eine ISO668 Twist-Lock-Schnittstelle installiert werden.
Die Wurfeinheiten, die bis zu fünf Magazine mit der AT2+ aufnehmen können, bilden die Schlüsselkomponente des Skorpion². Eine 10-Fuß-Containerplattform kann vier Wurfeinheiten aufnehmen. Die aus vier Startröhren mit je fünf AT2+-Minen bestehenden Magazine dienen als Einweg-Start-, Transport- und Lagerbehälter für insgesamt 20 AT2+ Panzerabwehrwurfminen. Das Gewicht einer mit fünf Magazinen voll bestückten Wurfeinheit wird seitens DND mit 400 kg angegeben. Möglich sei auch eine Realisierung auf einer 15- oder 20-Fuß-Containerplattform.
Das modulare Minenverlegesystem Skorpion² ermöglicht DND zufolge ein situationsgerechtes, schnelles Auslegen von Minensperren innerhalb von wenigen Minuten. Nach Einstellung der Form und Dichte der Sperre platziert das Skorpion²-System die Wurfminen vollautomatisch. Eine Sperrbreite von 2.000 Metern kann mit dem System in weniger als 10 Minuten angelegt werden.
Da Skorpion² über ein Command & Control-Gerät verfügt, können alle relevanten Sperrinformation mittels einer Schnittstelle in das jeweilige Battle Management System transferiert werden, um ein lückenloses Reporting zu gewährleisten.
Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+
Bei der Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+ (NG AT2+) handelt es sich nach Angaben von DND um eine Überarbeitung der bewährten Panzerabwehrwurfmine AT2, welche ebenfalls von DND hergestellt wurde. Die NG AT2+ ist eine programmierbare, streuungsfähige Panzerabwehrmunition mit digitalisierter Steuerung und einem Multisensorsystem, welches unter der gesamten Breite eines Kampfpanzers wirkt.
Die Gefechtskopfleistung wird seitens DND mit einer Penetrationsleistung von > 140 mm RHA angegeben. Zudem soll die robuste Mine gegen verschiedene Arten von Räumungssystemen gehärtet sein. Sechs an der AT2+ angebrachte Stützfüße sorgen dafür, dass sich die Mine nach dem Verschuss automatisch in die Einsatzposition bringt.
Den Aussagen des Herstellers zufolge kann die Wurfmine NG AT2+ auf unterschiedliche Art und Weise verlegt werden. Dazu zählt eine Verbringung mit dem neuen modularen Minenverlegesystem Skorpion², dem handgehaltenen Minenwurfgerät Bobcat, im Rahmen von Minenausstoßraketen – mit zwei bis fünf AT2+ pro Rakete – sowie mittels in Hubschraubern integrierten Minenwurfsystemen.
Waldemar Geiger

















