Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw erhält Matrix-Organisation, flexiblere Beschaffungsprozesse und neue Standorte

Waldemar Geiger

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Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw erhält eine neue Binnenstruktur in Form einer Matrix-Organisation, flexiblere Beschaffungsprozesse und neue Standorte. Verteidigungsminister Boris Pistorius informierte heute den parlamentarischen Raum über die ersten Ergebnisse für die Strukturreform des BAAINBw, heißt es in einer heutigen Mitteilung des Ministeriums.

„Die Reformagenda ist das Ergebnis von sechs Monaten intensiver Arbeit, intensiver Beratungen und vieler Gespräche. Über 600 Reformvorschläge kamen von den Mitarbeitenden des BAAINBw selbst. Außerdem hat eine externe Expertengruppe aus Wissenschaft und Wirtschaft wertvolle Impulse geliefert“, so das Ministerium. Zudem wird darauf verwiesen, dass die Arbeit der Expertengruppe „pro bono“ erfolgt sei.

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Konkret geht es bei der Reform um die Etablierung einer neuen Binnenstruktur in Form einer Matrix-Organisation, die an den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausgerichtet ist. „Somit können Projektteams flexibel und agil zusammengestellt und Schwerpunkte schnell gebildet werden. Erweiterte Schnittstellen zur Industrie sollen es dem Beschaffungsamt ermöglichen, ein zentraler Ort für Markt- und Technologie-Sichtung zu werden“, heißt es in der Mitteilung. Als weitere neue Handlungsschwerpunkte werden die Marktbeobachtung, ein aktives Lieferantenmanagement sowie die Stärkung der Fähigkeiten zu Lieferketten- und Preiskontrolle genannt. Dazu soll die entsprechende Expertise im BAAINBw ausgebaut werden. „Die erhebliche Zunahme der Ausgaben im Bereich der Rüstungsinvestitionen macht eine sorgfältige Kostenkontrolle unerlässlich, die den vollen rechtlichen Handlungsspielraum optimal nutzt“, so das Ministerium. Parallel dazu so die Präsenz des BAAINBw in der Fläche ausgebaut werden, um „noch intensiver und besser mit Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten und qualifiziertes Personal zu gewinnen“ zu können.

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Konkret geht es dabei um neue Standorte in Bremen, Brüssel und Kiel. Zudem soll der Standort in Dresden ausgebaut werden.

Der Ableger in Bremen soll dem Ministerium zufolge „an einem der führenden Raumfahrtstandorte in Europa mit seiner unmittelbaren Nähe zu wichtigen Industriepartnern und Forschungseinrichtungen die Dimension Weltraum stärken“. Als weitere Vorteile für Bremen wird das Potenzial als Technologie-, Marine- und Innovationsstandort für die Zusammenarbeit mit der Industrie in der Dimension See benannt.

Um die Dimension Cyber und Informationstechnik zu stärken, soll die bereits vorhandene Präsenz in Dresden ausgebaut werden. „Dresden ist einer der führenden Innovationsstandorte für IT und Technologie in Europa („Silicon Saxony“)“, heißt es dazu in der Mitteilung des Ministeriums.

Darüber hinaus soll eine Repräsentanz in Brüssel aufgebaut werden, um „einen frühen Zugang zu EU-Rüstungsinitiativen und eine bessere Vernetzung mit Partnerstaaten sowie Koordination von multinationalen Programmen gewährleisten“ zu können.

Am neuen Standort Kiel soll neben dem bereits eröffneten Innovationszentrum ein zweites Zentrum – diesmal aber wohl mit dem Fokus auf die Dimension See – entstehen. „Derzeit wird ein detailliertes Konzept zu den Standortentscheidungen erarbeitet. Der Aufstellungsprozess des neuen Innovationszentrums in Kiel verläuft parallel zum personellen Aufwuchs des Innovationszentrums in Erding und wird voraussichtlich noch in diesem Jahr angestoßen“, schreibt das Ministerium. Wie Verteidigungsminister Pistorius zudem im Anschluss an die Sitzung des Verteidigungsausschusses erklärte, wird aktuell ein drittes Innovationszentrum ausgeplant. Die Bekanntgabe des Standortes soll in wenigen Monaten erfolgen.

Als weiterer Strang soll die sogenannte Bedarfsdeckung, also das Beschaffungsprozedere des BAAINBw, von der Einplanung bis zur Beschaffung gestrafft und standardisiert werden. „Die konkrete Ausgestaltung erfolgt anhand der Kriterien Agilität, Beschleunigung, Flexibilität und Innovationsfähigkeit. Zukünftig erfolgt kein streng sequentielles Abarbeiten von Prozessschritten und Dokumenten mehr. Vielmehr wird das Vorgehen auf das jeweilige Programm bzw. Projekte zugeschnitten“, so das Ministerium. Geschwindigkeit, Innovationen und multinationale Zusammenarbeit sollen noch stärker in das Zentrum der Beschaffung gerückt werden. „Zentraler Baustein ist die Reduzierung auf bestimmte Typen von Fallgruppen schon im Planungsprozess – ‚Fast Track‘ für dringende und/oder vergleichsweise einfache Beschaffungen, ‚Innovation‘ für zukunftsweisende Technologien und ‚Komplex‘ für Großprojekte. Disruptive Technologien, europäische Beschaffungswege und multinationale Kooperationen sollen frühzeitig identifiziert und gefördert werden. Damit wollen wir die strategische Souveränität Europas weiter stärken“, beschreibt das Ministerium die Reformabsicht.

Waldemar Geiger