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Enforce Tac – Diehl Defence zeigt weiterentwickelte Variante des Kinetic Defence Vehicle

Waldemar Geiger

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Diehl Defence wird auf der Fachmesse Enforce Tac 2025 eine weiterentwickelte Variante des fahrzeuggestützten Drohnenabwehrsystems Kinetic Defence Vehicle zeigen. Dies geht aus einem heutigen Beitrag des Unternehmens auf der Plattform LinkedIn hervor.

Im Gegensatz zu der an die ukrainischen Streitkräfte – hartpunkt berichtete – gelieferten Variante wird das nächste Woche in Nürnberg präsentierte Kinetic Defence Vehicle mehrere Modifikationen im Bereich Sensorik, Wirkung und Automatisierung aufweisen. Viele Details – bis auf die Nutzung einer KI von Walaris – gehen aus dem Beitrag nicht hervor. Anhand des Bildes lassen sich aber interessante Rückschlüsse auf das modifizierte Kinetic Defence Vehicle machen.

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Die Grundplattform für das weiterentwickelte Kinetic Defence Vehicle bildet offensichtlich weiterhin ein Backbone von Diehl Defence samt der integrierten Sensorik, welche aus einem Radar des US-Herstellers Echodyne sowie einem optischen Detektionssystem von Diehl besteht. Das Optikpaket besteht aus mehreren Kameras, welche je nach Konfiguration eine passive Detektion von Drohnen in einem Sektor von 120 bis 360 Grad ermöglichen. Die Echtzeitbilder werden permanent ausgewertet und anfliegende Drohnen und Loitering Munition als Kontrast zum Hintergrund erkannt. Einmal aufgeklärt wird mittels des Radars die Fluggeschwindigkeit der Bedrohung ermittelt und so eine entsprechende Vorhaltemarke für die Waffe errechnet.

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In der für die Ukraine gelieferten Konfiguration handelt es sich gut informierten Kreisen zufolge um System mit einer fernbedienbaren, stabilisierten Waffenstation R400 des australischen Herstellers Electro Optic Systems (EOS) – in Europa vertreten durch Diehl Defence –, die mit einer Minigun vom Typ M134D im Kaliber 7,62 x 51 mm bewaffnet wird. Ein auf der Waffenstation integrierter Wettersensor erhöht die Präzision des Waffeneinsatzes auf weitere Distanzen. Die Bekämpfungsreichweite dieser Konfiguration soll bei 1.000 bis 1.200 Metern liegen, abhängig von der Aufklärungsreichweite (Größe der Drohne) und der Länge des Feuerstoßes.

Mehr Wirkung

Wie auf dem nun veröffentlichten Bild zu sehen ist, zeigt Diehl das Kinetic Defence Vehicle nun mit einer neuen Bewaffnung. Als Waffe auf der R400-Waffenstation kommt die elektrisch angetriebene Maschinenwaffe vom Typ 503D im Kaliber 12,7 mm x 99 (.50 BMG) zum Einsatz. Vertrieben wird dieses etwa 41 kg schweres Maschinengewehr von Dillon Europe, einer Tochter der US-Unternehmen Dillon Aero.

Die 503D – das 50 steht für Kaliber 50, das 3 für die Anzahl der Rohre und das D für Dillon – hat eine Kadenz von 1.500 Schuss pro Minute. Viele Bauteile gleichen dem der M134D, die in der Bundeswehr als MG6 eingeführt ist. Bedien- und Wartungskonzept sind ebenfalls gleich.

Die 503D bietet jedoch signifikant mehr Wirkung. Abhängig von der Größe der Drohne bzw. der Aufklärungsleistung der Optronik und der Länge der Feuerstöße können mit der Waffe Ziele in bis zu 2.000 m Entfernung effektiv bekämpft werden. Zudem bietet das Kaliber ein breiteres Munitionssortiment. Im Gegensatz zum Kaliber 7,62 x 51 mm sind für das .50 auch HE-Geschosse mit Aufschlagzünder verfügbar.

Mehr Aufklärung

Eine weitere Neuerung ist die Integration eines zusätzlichen Sensormastes am Fahrzeugheck. Anbieter ist das deutsch-amerikanische KI-Verteidigungsunternehmen Walaris, mit einem Entwicklungszentrum in Franken. Das Unternehmen hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, genau diese für die Drohnenabwehr konfigurierte Sensorik auf der Enforce Tac 2025 zeigen zu wollen, hartpunkt berichtete.

Auf dem nun veröffentlichten Bild sind die gleichen Sensoren erkennbar, das Kamerasystem Vision Flex von OpenWorks in Verbindung mit dem Radarsystem EchoGuard von Echodyne. Die Intelligenz liefert dem LinkedIn-Beitrag zufolge Walaris. Dabei dürfte es sich um die KI-Software AirScout handeln.

Kernstück von AirScout ist ein proprietär von Walaris trainiertes neuronales Netz, welches eine zuverlässige Detektion und Klassifikation von Drohnenzielen ermöglicht. Die Software ermöglicht nach Angaben von Walaris die Fusion einer Vielzahl von Sensoren, was es möglich macht, das System modular an verschiedene Bedrohungsszenarien anzupassen.

Mittels des Sensorpakets soll es möglich sein, Drohnen – wobei Walaris nicht auf die Größe der Drohnen eingeht – sowohl tagsüber als auch nachts auf eine Entfernung von bis zu 1.500 Metern zu detektieren. Die Klassifikationsentfernung wird mit 550 Metern angegeben.

Dem Vernehmen nach, ist das Sensorpaket auf einem Mastsystem von ACS Armoured Car Systems integriert. Dabei handelt es sich um ein teleskopierbaren Mast mit einer Länge von 4 m, welcher erstmals auf dem 9. KSK-Symposiums Rüstung im September 2024 öffentlich gezeigt wurde, hartpunkt berichtete.

Je nach Bedarf kann der Mast seitlich an der hinteren Säule oder am Heck des Fahrzeuges integriert werden. Auch eine abgesetzte Nutzung auf einem Dreibein ist gemäß früheren Aussagen von ACS möglich. Der Clou an dem drehbaren Mast, welcher ACS zufolge auf Basis einer Kundenanforderung entwickelt wurde und vergleichsweise günstig sein soll, ist die Nivelliereinheit. Diese erlaubt einen senkrechten Masteinsatz unabhängig von der Hang- oder Schräglage des Fahrzeuges. Die integrierte Sensoreinheit kann so losgelöst von der aktuellen Fahrzeuglage immer senkrecht auf die volle Höhe ausgefahren werden. Die Kopflast wird mit 25 Kilogramm angegeben.

Gut informierten Kreisen zufolge wird es bei dem modifizierten Kinetic Defence Vehicle eine Vernetzung zwischen der Sensorik und der Effektorik geben, so dass durch den Sensorturm aufgeklärte Ziele automatisiert an die Waffenstation übergeben werden und diese ohne Zutun des Bedieners auf das Ziel geschwenkt wird. Der Bediener ist dann im Anschluss für die Freigabe des Waffeneinsatzes zuständig.

Mobilität

Als Trägerplattform für das in Nürnberg zu sehende Kinetic Defence Vehicle kommt Enok AB der im bayerischen Friedberg ansässigen ACS Armoured Car Systems GmbH zum Einsatz.

Das nun veröffentlichte Bild zeigt eine Mercedes-Benz-G-Plattform in der Baureihe 461 – leicht identifizierbar an der dünneren Front-Stoßstange als bei den 464-Plattformen, auf denen die die für die Bundeswehr vorgesehene Luftlandeplattform Caracal aufgebaut ist.

Der modulare ACS-Aufbau ist jedoch so konstruiert, dass er auch mit der neuen 464-Plattform kompatibel ist.

Bewertung

Die Vorstellung des Fahrzeuges deutet darauf hin, dass Diehl Defence mit dem modularen Ansatz des Kinetic Defence Vehicle eine hochautomatisierte mobile Drohnenabwehrlösung für den taktischen Einsatz unterhalb des Nah- und Nächstbereichsschutzes (NNbS) anbieten will.

Das Kinetic Defence Vehicle dürfte preislich deutlich unterhalb gängiger Flugabwehrlösungen liegen, so dass es eine Rolle als „massendienliche“ Drohnenabwehrlösung übernehmen könnte.

Waldemar Geiger